...das ist die Frage, die es in nächster Zeit zu klären gilt. Um es genauer zu sagen, gestern waren wir in Felix' Schule, um Entscheidungshilfe bei der Wahl der zweiten Fremdsprache zu bekommen.
Eins vorab: Letztendlich soll Felix entscheiden - denn er muss es ja auch lernen!
Aber ich denke es ist eine interessante Frage, die viele Eltern beschäftigt, und es wird sicherlich interessant verschiedene Meinungen mal zu sammeln.
Aber vorab ein paar Details zur Sprachgeschichte in unserer Familie, insbesondere zu meiner sprachlichen Entwicklung. Meine Gymnasialzeit war alles andere als rosig und wenn ich heute meine Zeugnisse von damals sehe, wird mir schlecht - RICHTIG schlecht. Ich habe mich wirklich mehr schlecht als recht durch gemogelt! Allerdings habe ich das damals gar nicht so wahrgenommen. Ich ging zur Schule - weil man eben hin ging. Wofür? DAS bliebt für mich LANGE im Verborgenen. Auch ich musste mich irgendwann für eine 2. Fremdsprache entscheiden, weil das einfach so war. Ich entschied mich für Französisch (oder waren es meine Eltern, die mir das nahe legten). Warum? Keine Ahnung - ich habe mich nicht sonderlich mit der Thematik auseinander gesetzt. Ich denke es WURDE so entschieden, weil Latein lernten zu meiner Zeit nur die, die Arzt oder Jurist werden wollten. Was ich werden wollte, wusste ich zu der Zeit sowieso noch nicht (leider auch nicht, als ich das
Abi in der Tasche hatte;-)).
Nun gut, ich bekam also in der 7. Klasse Französisch dazu und fand es anfangs auch ganz nett, was aber vor allem an dem hübschesten Lehrer des Gymnasiums gelegen haben mag (man erinnere sich - reines Mädchengymnasium!!!!!). Daher klappte das erste Jahr auch noch recht gut. Leider wurde der Lehrer nach einem Jahr gewechselt und wir bekamen eine Lehrerin, gerade mal 1,55 m groß, alt, schrumpelig, ohne Durchsetzungsvermögen. Sicherlich konnte sie Wissen vermitteln, dass will ich aus heutiger Sicht gar nicht in Frage stellen, aber wir konnten in der Stunde tun und lassen was wir wollten. Und ich war an allem interessiert, nur nicht an Französisch. Daher gab es im zweiten Jahr bereits eine Vier auf dem Zeugnis, und weil mir irgendwann jegliche grammatischen Regeln abhanden gekommen waren, verstand ich irgendwann nichts mehr,
null, überhaupt nichts! Dem hätte man evtl. mit Nachhilfe bei kommen können, aber mein Vater war dazu zu geizig, zumal seine Argumentation war:
Uschi ist nicht dumm - sie ist nur zu faul! Recht hatte er ja, aber es nütze nichts, die nächsten zwei Jahre stand auf dem Zeugnis in Französisch immer eine Fünf (und manchmal war das knapp, richtig knapp!). Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich war nach der 10 ENDLICH Französisch abwählen zu können!!!
Obwohl mir eigentlich hätte klar sein müssen, das Sprachen nicht so mein Ding sind, wählte ich ulkiger weise in der 9. Klasse noch Latein dazu. Wenn man logisch denken könne und fleißig wäre, wäre das ganz einfach. Und wenn man Spaß am Knobeln hätte sogar auch durchaus interessant. Spaß am knobeln hatte ich (
Mathe ging mir immer recht leicht von der Hand), und logisch Denken konnte ich auch, nur die Sache mit dem Fleiß...nun ja, das hatten wir ja schon. Latein war interessant - gar keine Frage, aber es war eben auch in vielen Dinge sture
Paukerei.
"
Eram,
eras,
erant,
eramus....", das ist irgendwie bis heute hängen geblieben (allerdings weiß ich nicht mehr was es heißt?). Also Latein und ich wir HÄTTEN was werden können, wenn die Sache mit dem Fleiß nicht gewesen wäre, und wenn da nicht die Tatsache gewesen wäre, dass man sich im 9. Schuljahr (als mit 15 Jahren) für GANZ andere Dinge interessiert als Cäsar und seine Feldzüge! Also stand auch da sehr schnell eine vier auf dem Zeugnis und ich wählte Latein nach einem Jahr wieder ab - dafür nahm ich übrigens TEXTILGESTALTUNG und lernte Nähen (brachte es aber auch da nur auf eine drei)!!!
Ich habe also beide Sprachen kennen gelernt und habe annähernd eine Vorstellung, worum es dabei geht!
Ach so, in der 11. Klasse nahm ich übrigens Niederländisch dazu. Und sprachgebgabt hin oder her, aber DAS war endlich mal eine Sprache die ich
beherrschte!!! Ich beherrschte sie sogar so gut, dass ich sie zum Abiturfach gemacht hatte. Aber auch hier war es eine gute
Lehrerin (Niederländerin, locker,
flowerpowermäßig drauf, kam jeden Morgen mit ihrer Ente aus NL zur Schule und schien zu wissen wo es lang geht). UND Niederländisch war zum ersten Mal zu etwas nütze. Ich konnte in NL (das ja nur einen Katzensprung von hier entfernt ist) einkaufen und mich in NL unterhalten - und man merkte: OH die Leute sind gleich viel netter, wenn man bemüht ist die Sprache anzuwenden! Soviel zur Sprachbegabung...
Mein Mann ist übrigens leidenschaftlicher Französisch-Schüler gewesen. Er liebt die Sprache sehr, hat an zwei Schüler Austauschen teilgenommen und fand das
klasse. Auch heute noch, wenn wir in Frankreich Urlaub macht versucht er sein Gelerntes wieder auf Vordermann zu bringen. Leider kam ihm in seiner Schullaufbahn
auch irgendwann der Fleiß abhanden....
So ist also die hiesige Ausgangssituation. Hinzu kommt das neu erworbene Wissen des gestrigen Abends. Es wurde zunächst auf die "Folgen" der Wahl im allgemeinen hingewiesen, welche Möglichkeiten bestehen, wann man...usw. So ist es z.B. an Felix' Schule (das mag an anderen Schulen anders sein!) nur möglich das Latinum zu machen, wenn man es nun in der 6. Klasse wählt, denn in der 11. und 12. Klasse wird Latein nicht weiter angeboten, d.h. wenn man Latein erst in der achten Klasse wählt, fehlen einem zwei Jahre Latein, um ein Latinum nachzuweisen. Fazit Latein macht eigentlich nur Sinn, wenn man es mit Latinum abschließt, oder anders ausgedrückt, wählt man jetzt kein Latein, hat man sich möglichereise etwas verbaut! Ein Argument für Latein ist ja immer: Manche Studiengänge stehen einem nur mit Latein offen. Nur, schauen wir uns doch mal um, beim Studium ist momentan SO viel im Umbruch mit
Bachelor und
Master usw., glaubt hier wirklich noch jemand an die altbewährten Dinge???? Und außerdem, zur Not gibt es ja auch noch den Latein-Crashkurs während des Studiums - sicher nicht leicht, aber machbar. Warum also überhaupt Latein lernen? Ein gutes Argument der Lehrerin, die Latein präsentierte war: Man setzt sich mit Sprache und damit auch mit dem eigenen Stil auseinander. Man muss sich mit Satzgefügen, Satzbausteinen auseinandersetzen und erfährt dabei eine ganze Menge auch über die deutsche Sprache und Grammatik. Interessant sei natürlich auch die Mythologie, die sich eben auch heute noch in vielen Bereichen wiederfinden lässt. Aber es ist und bleibt eben eine tote, nicht angewandte Sprache. Obwohl die Lehrerin durchaus berichten konnte, das die Klasse 9
letztens ein sehr schönes Theaterstück vorgeführt hätte, in dem die Götter eine Diskussion geführt hätten, ob Otto
Rehagel in den Kreis der Götter aufgenommen werden soll? Also, wir sehen, Latein muss nicht nur trockene Theorie sein!
Nun zum Französisch. Dazu muss ich sagen, die Lehrerin die Französisch präsentierte, präsentierte das so, wie die Sprache eben auch empfunden wird: LEIDENSCHAFTLICH!!!
Ihr Hauptargument: Französisch öffnet Perspektiven! Frankreich ist der wichtigste deutsche
Wirtschaftspartner und bietet damit spannende
Berufsperspektiven. Nur, in einem Land, in dem ein Mann
AUSSENMINISTER werden kann, der noch nicht einmal der englischen Sprache mächtig ist, finde ich verliert dieses Argument ein wenig an Halt;-)
"Französisch ist wie ein Joker!", so schreibt eine kleine Broschüre, "Im zusammenwachsenden Europa eröffnet diese Sprache jungen Menschen viele neue Möglichkeiten. Wer die französische Sprache beherrscht, wird von den vielfältigen französischen Partnerschaften besonders profitieren. Nur reicht es da nicht aus, wenn man sich dann erst der 8. Klasse dazu entschließt. Wenn man möchte, kann man ja immer noch bis zum Abitur Französisch lernen und das reicht doch sicher auch aus, um sich nach dem Abitur in Frankreich zu verständigen. Wenn ich nochmal auf mein Niederländisch zurückkommen darf: Ich habe es ja nur drei Jahre gelernt, aber im Prinzip RICHTIG gelernt erst, als ich im Beruf gezwungen war es auch anzuwenden.
Okay, Französisch ab der 8. Klasse wird anderes unterrichtet, als ab der 6. Klasse, die Inhalte sind gestrafft und komplexer - also auch schwieriger...
Soviel also zu den Sprachen. Nun zur Thematik, welches Kind eignet sich für welche Sprache? Gibt es da wirklich Schubladen in die sich unsere Kinder stecken lassen? Nicht ganz, aber ich würde behaupten es gibt gewisse Tendenzen. Ein schüchternes Kind, was wenig aktiv am Unterricht teilnimmt, was schon Hemmungen bei der englischen Aussprache hat, wird sich sicher auch in Französisch schwer tun. Wenn einem Kind die Logik der Mathematik nicht zufliegt, es Zusammenhänge nur schwer erkennen kann und kaum Spaß am Knobeln und
Tüffteln hat, dem wird Latein auch sicherlich nicht zufliegen.
Nur, wohin stecke ich Felix? Manche von euch kennen ihn aus meinen Erzählungen, manchen haben ihn auch bereits persönlich kennen gelernt. Felix ist offen, keineswegs schüchtern, was seine Mitarbeit im Unterricht angeht, nun sie ist ein wenig wechselhaft, aber das ist eher davon abhängig, ob ihn ein Thema interessiert. Im Englischen hatte er gewissen
Startschwierigkeiten, aber nun nach einen 3/4 Jahr weiß er auch da wie der Hase läuft und bringt bedeutend bessere Arbeiten nach Hause als ich zu meiner Zeit! Auch das Anwenden der englischen Sprache in "frei" erfundenen Texten wird zusehends besser. Aber Felix ist auch ein Analytiker. Er knobelt gerne, und
Mathe ist seine große Leidenschaft. Im Deutschen schüttelt er sich Grammatik so aus dem Ärmel und benennt Satzbausteine ohne Fehler. Aber auch seine Merkfähigkeit was Vokabeln lernen angeht ist beachtlich (ICH lerne die nicht so schnell!).
Fazit: Felix ist eben nicht unbedingt so ein Kind, was sich in diese Schubladen stecken lässt. Es gibt Argumente, da würde ich sagen er passt besser zum Französischen, aber dann auch wieder sage ich "klassischer Lateiner", nur ob er die fünf Jahre Ausdauer dazu hat????
Felix hat seine Entscheidung bereits gefällt, aber ich lass euch diesbezüglich noch im Unklaren. Denn ich möchte gerne eure Argumentationen hören. Wie habt ihr euch, oder eure Kinder entschieden. Seid ihr glücklich mit der Wahl, oder quälen eure Kinder sich mit der Sprache herum, so wie ich es vier Jahre getan habe.
So, MEIN Tee ist schon längst zu Ende, euer Kaffee sicherlich auch, oder kalt geworden...aber kürzer ging und wollte ich an dieser Stelle nicht. Eigentlich hätte ich noch viel weiter ausholen können, aber ich denke es ist klar geworden, worum es bei der Entscheidung geht.
Eine Entscheidung für das spätere Leben ist es heutzutage sicherlich NICHT mehr, denn der Wandel der Zeit geht nun mal, im Vergleich zu früher, bedeutend schneller von statten. Und so kann eine Entscheidung die heute getroffen wird, morgen bereits hinfällig sein. Auch darüber sollten wir uns im Klaren sein!
So, ich werde jetzt Fenster putzen und weiter nachdenken, was aus unseren Kindern mal werden wird;-)
Gruß
Uschi
Edit: Was ich vielleicht erwähnen sollte: Spanisch wird an der Schule gar nicht angeboten. Niederländisch erst ab Klasse 10 (meine ich zumindest, oder war es doch schon ab der 8.???), DAS wäre für mich ja noch eine GUTE Alternative gewesen;-)